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Und plötzlich war die Tür zu...

Ich wachte mit einem strahlenden Lächeln auf, denn heute war ein besonderer Tag. Heute sollte ich sie treffen, meine Kindergartenliebe Anne. Wiedergesehen habe ich sie vor einigen Wochen im Supermarkt, sie war von Köln wieder zurück in ihre Heimatstadt Münster gezogen, wo wir damals zusammen in den Kindergarten und in die Grundschule gegangen sind. Schon damals hatte sie diese goldglänzenden Engelslocken und zu heute hatte sich daran auch nichts geändert. Als wir im Supermarkt durch Zufall nach dem selben Apfel griffen, war es um mich geschehen. Ich erkannte sie sofort, als ich in ihre tiefblauen Augen schaute. Auch sie erkannte mich und war sehr überrascht, mich dort zu treffen. Sie hatte gedacht, ich wäre in den Jahren mal rausgekommen aus dem guten alten Münster. Gott sei Dank bin ich dies nicht, sonst hätte ich sie wahrscheinlich niemals wiedergetroffen.

Nach einem kurzen Plausch musste sie weiter, denn sie war gerade auf dem Sprung zur Arbeit und wollte sich noch schnell einen Snack besorgen. In dem kurzen Gespräch konnte ich sie dazu bringen, sich mit mir zu treffen und heute ist der Tag dieses Treffens. Heute wollte ich mich besonders schick machen. Ich fühlte mich schon fast wie eine Frau, denn ich war bestimmt eine Stunde im Bad, um mich für meine Traumfrau perfekt herzurichten. Auch das Haarwachs durfte nicht fehlen, damit meine Haare bei dem stürmischen Wetter perfekt sitzen.

Noch im Morgenmantel ging ich in die Küche, um mir schnell einen kleinen Snack zu machen. Wir waren zum Brunch verabredet, also aß ich nur ein Knäckebrot mit Nutella und Bananen oben drauf - mein Lieblingsfrühstück. Als ich die Bananenschale in den Biomüll schmeißen wollte, sah ich, dass dieser voll war und schon ziemlich unangenehm gerochen hat. Also entschied ich, ihn noch schnell draußen in den Garten zu bringen.

Als ich den Müll abstellte, passierte es. Durch einen Windstoß schlug die Tür mit einem lauten Knall zu. Na toll, da stand ich nun in meinem hellblauen Morgenmantel im Garten und hatte mich ausgesperrt. Ein Schlüssel hatte ich natürlich nicht mitgenommen, ich wollte ja nur eben den Müll hinaus bringen. Und das schlimmste war ja noch, dass ich in einer Stunde mit IHR verabredet war. Im Morgenmantel konnte ich ja wohl schlecht gehen. Ich musste also irgendwie ins Haus kommen und das am besten schnell. Ein Fenster hatte ich auch nicht aufgelassen, es gab also nur eine Lösung, ich musste den Schlüsselnotdienst Münster anrufen. Mein Handy habe ich wenigstens immer dabei, selbst wenn ich nur einen Morgenmantel trage.

Nach einer Viertelstunde, welche sich für mich wie eine Ewigkeit anfühlte, trudelte dann ein Mann vom Schlüsseldienst bei mir ein. „Moin, Wolfgang mein Name“, sagte er zu mir, „Wo liegt das Problem?“ Ich zeigte auf die Tür und schaute mit verzweifeltem Blick an mir hinunter. Er verstand sofort. Nach weiteren zehn Minuten war die Tür endlich auf. Einen guten Job hatte der Mann gemacht, auch wenn es ein bisschen gedauert hat. Nach dem ganzen Spektakel entschied ich, dass ich mir bald einen dieser unechten Steine als Ersatzschlüssel-Aufbewahrung zulegen würde. Für weitere Überlegungen war keine Zeit, denn ich hatte nur noch fünfzehn Minuten, um mich umzuziehen und zu Anne zu fahren.

Natürlich schaffte ich es nicht und kam mit zehnminütiger Verspätung völlig abgehetzt im Café, wo wir verabredet waren, an. Mein stundenlanges Styling war schon lange hin und verschwitzt war ich nun. Völlig aufgelöst erzählte ich ihr die Geschichte. Mittendrin unterbrach sie mich und fing lautstark an zu lachen. „Ich mag humorvolle Männer“, sagte sie. Wir redeten noch bis 15:00 Uhr, dann musste sie los.

So schief der Tag auch gelaufen ist, führte er dennoch zu meinem größten Wunsch. Anne ist jetzt meine feste Freundin und das habe ich auch der zugefallenen Tür zu verdanken.